Jüdische Kulturtage / Constance Mattheus spielt und singt Lieder von Leid und Frieden – mit Temperament und Lebensfreude
Es ging aufs Finale zu. Da mischte sich leises Vogelzwitschern in ein Lied über Kinder in Not. Constance Mattheus singt es gefühlvoll und ernst zur Begleitung auf der Keltischen Harfe. Die aus Görlitz stammende Künstlerin und Trauma-Therapeutin hat für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, gearbeitet und bringt ihre Erfahrungen immer wieder in diesen Konzertabend ein. Nach dem Lied erhebt sie sich von ihrem Hocker und greift zu einer kleinen Tasche hinter sich. „Das war mein 9-Uhr-Wecker“, sagt sie und lacht. „Immer um 9 Uhr abends kommt der Hinweis, dass ich Computer und Handy ausschalten soll.“
Eine kleine Szene nur am Rande eines besonderen Konzertabends im Kulturforum Görlitzer Synagoge. „Schalom – Klangreise zum Frieden“ hatte Constance Mattheus ihr Programm für die Jüdischen Kulturtage Görlitz überschrieben. Den emotionalen Resonanzraum bildeten die am stärksten beachteten Kriege in der Welt – nicht zuletzt der weit ausgreifende Krieg zwischen Israel und der islamistischen Terrororganisation Hamas.
Der Abend im Kulturforum Görlitzer Synagoge hatte einen hohen Anspruch: Lasst uns die Verbindungslinien zwischen den Menschen und ihren Kulturen suchen. So entstand ein Programm aus jüdischen Liedern in hebräischer Sprache, dazu Lieder auf Arabisch und Latein. Dazu kurze literarische Texte aus vielen Kulturen und in vielen Sprachen.
Es war ein ernstes Programm, Trauer und Entsetzen grundierten den Resonanzraum – und doch brach sich letztlich die liebe zum Leben und zu den Menschen ihre Bahn. Der zwitschernde Handy-Wecker setzte dazu eine besonders heitere Schlussnote.
Frank Seibel
Hinweis: Die Jüdischen Kulturtage 2025 werden gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen mit Mitteln des vom Sächsischen Landtag bewilligten Haushaltes.
Foto: Karl-Heinz Riedel

